Homosexualität und Meinungsfreiheit

Wenn es zum Beispiel um das Thema Holocaust oder auch Homosexualität geht, ist es in Deutschland ein Problem, seine Meinung offen zu äußern, ohne nicht sofort mit einer Strafanzeige eingeschüchtert zu werden. Dabei werden doch jedem Bürger die Grund- und Menschenrechte zugestanden.
Aber es sind nicht „alle Menschen vor dem Gesetz gleich“!

Um sich eine Meinung bilden zu können
, sind letztendlich immer Vergleiche notwendig. Auch für eine Meinungsbildung zum Thema Holocaust oder zum Thema Homosexualität sind Vergleiche geradezu notwendig. Ohne Vergleiche kommen wir nicht zu einer Einschätzung, zu einer eigenen Meinung, wie diese oder jenens zu bewerten ist.

Geradezu als Paradebeispiel einer Einschränkung der Grund- und Menschenrechte – der Meinungsfreiheit im besonderen – ist der aktuelle „Fall Dariusz Oko“, ein Priester, der die seiner Ansicht nach schädlichen Aktivitäten homosexueller römisch-katholischer Priester“ in einer deutschen Publikation „anprangert“ hat, wurde vom „römisch-katholischen Priester“ Wolfgang F. Rothe angezeigt und vom Amtsgericht Köln am 27.7.2021 mit einen Strafbefehlt wegen Volksverhetzung über 4.800 Euro belegt. Den Strafbefehl hat Darius Oko beeinsprucht und ist daher noch nicht rechtskräftig.

Wenn in einem demokratischen Rechtsstaat eine andere Meinung als die des gewünschten Mainstreams nicht mehr nur nicht erlaubt sondern verfolgt und bestraft wird, dann befindet sich dieser Staat – sprich Deutschland – bereits mitten drinn in einer Diktatur.
Wir möchten nur an die Maßnahmen zu CORONA und die Zwangsimpfungen erinnern.

Nachfolgend, zum besseren Verständnis, der Sachverhalt in der Causa “ Dariusz Oko und Homosexualität“

14.8.2021

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

Wie Sie wahrscheinlich wissen, ich wurde von homosexuellen Priester Wolfgang Rothe angezeigt und dann wurde ich von einem deutschen Gericht zum vier Monaten Haft verurteilt, weil ich in meinem wissenschaftlichen Artikel homosexuelle Cliquen von Geistlichen-Kriminellen – wie Kardinal Theodore McCarrick – (nach langer Aufzählung ihrer Schuld als Zwischenergebnis) als „Parasiten“ und „Krebs“ der Kirche bezeichnet habe.

Der Herr Jesus hat auf solche gefallenen Gruppen von Klerikern um ein Vielfaches strenger Bezug genommen. Er sagte sehr oft: Weh euch, ihr Heuchler, voller Raubgier und Bosheit, Unverständigen, Blinden, dumm und blind, blinde Führer, blinde Narren, Nattern, Schlangenbrut, Prophetenmörder, weiß angestrichen Gräber, der Hölle schuldig, wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?  (Vgl. Mt 23: 12-36 und Lk 11: 37-53).

Man sieht also, dass Jesus heute in Deutschland um ein Vielfaches länger zu Gefängnisstrafen verurteilt würde, und dies reicht schon aus, um die ganze Situation gut zu erklären.

Der Herrn Kardinal Gerhard Müller, der fest auf unserer Seite steht, hat ein starkes Interview für meine Verteidigung gegeben. Ich sende es auch. Es lohnt sich es zu veröffentlichen und zu verbreiten in Deutschland. Er ist erschienen zuvor in der polnischen Zeitung „Do Rzeczy“: Wstydzę się za to, co spotkało ks. Oko, z kardynałem Gerhardem L. Müllerem rozmawia Paweł Lisicki, „Do Rzeczy” 9-15.08.2021 (32) 437, S. 52-53. (Info:  https://www.ekai.pl/kard-muller-wstydze-sie-za-to-co-spotkalo-ks-oko/)

Umso bezeichnender ist, dass der Kardinal Gerhard Müller – neben Papst Benedikt XVI. – heute einer der beiden größten lebenden Theologen ist. Zuvor hatte er als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre ein Amt inne, das nach dem Papst das zweitwichtigste in der Kirche ist. Es ist auch gut möglich, dass der Kardinal selbst zum nächsten Papst gewählt wird, denn viele Katholiken und Kardinäle halten ihn für den besten Kandidaten für dieses Amt. Er weiß besonders gut, was in der Kirche vor sich geht und unterstützt deshalb so sehr die Thesen meines Artikels und ermutigt mich, meine Texte in andere Sprachen zu übersetzen. 

Wenn Sie diesen Kampf unterstützen, unterschreiben und verbreiten Sie bitte die Petition zu meiner Verteidigung, die bis heute der bereits von über 42.000 Menschen unterzeichnet wurden. Es ist auch in Englisch und Deutsch verfügbar:

PETITION: Verteidigen wir Fr. Prof Dariusz Oko – Sag NEIN zum Wort Zensur (bronmyksiedzaoko.pl)

http://defendreverendoko.org – Deutsch

http://verteidigedenpriesteroko.de/ – English

Dort kann man auch ein Interview mit mir hören.

Natürlich geht es nicht nur um mich, sondern um die Freiheit und Würde des Menschen in der gesamten Europäischen Union, denn je nach Ausgang des vor mir liegenden Prozesses werden viele andere Gerichte vorgehen. 

Es geht um die Verteidigung gegen eine neue atheistische Ideologie, um die Verteidigung der fundamentalen Würde des Menschen und der Christen, um die Verteidigung der Meinungs-, Wissenschafts- und Religionsfreiheit, das ist unser gemeinsames Anliegen. Gender-Ideologen wollen uns erniedrigen und wieder versklaven, so wie es ihre Väter, bolschewistische und nationalistische Ideologen, getan haben.

Für Interessierte füge ich auch einen schönen Brief von Fr. Bischof Radosław Zmitrowicz aus der Ukraine, und Foto von vorletzten Wochentiteln in Polen.

Mit christlichen Grüßen 

Dariusz Oko

Kraków, 14.08.2021,

Am Gedenken Tag  St. Maksymilian Maria Kolbe, Priester und Märtyrer aus Auschwitz

13.8.2021

Homosexuelle Cliquen in der Kirche – und die Notwendigkeit ihren Einfluß zurückzudrängen

DIE SPUR DER VERWÜSTUNG: DER FALL ROTHE

Die Homohäresie in der Kirche: Wie weit reichen Macht und Einfluß von Homo-Seilschaften in der Kirche? Welche Rolle spielt der Münchner Pfarrvikar und Homoaktivist Wolfgang R. Rothe?

In der katholischen Kirche tobt hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf: Homosexuelle Seilschaften und ihnen nahestehende homophile Kreise wollen die kirchliche Lehre zur Homosexualität stürzen und eine offene Homosexualisierung der Kirche durchsetzen. Die Wurzeln dieses Kampfes mit zunehmender Intensität reichen weit zurück bis in die 60er Jahre. Eine besonders schillernde Figur ist der Münchner Priester und Homo-Aktivist Wolfgang F. Rothe, der in den vergangenen 20 Jahren eine Spur der Verwüstung in konservativen Kreisen hinterlassen hat, wo immer er seinen Fuß hinsetzte. Das jüngste Beispiel ist eine Strafanzeige gegen einen anderen Priester nach dem berüchtigten „Volksverhetzungsparagraphen“. Dabei gab sich Rothe in der Vergangenheit ganz anders.

Im Laufe der vergangenen 55 Jahre wurden die anfänglich subversiven Aktivitäten Homosexueller in der Kirche im Zuge der sexuellen Revolution zu einem offenen Kampf, bei dem sich homosexuelle Seilschaften verstärkt von weltlichen Kreisen, vor allem Medien, unterstützen lassen.

Eine besonders schillernde Figur im Kampf um die Homosexualisierung der Kirche ist der Münchner Pfarrvikar und Homo-Aktivist Wolfgang F. Rothe. Rothe gehört zu den homo-aktivistischen Priestern, die im vergangenen Mai im offenen Widerspruch zur kirchlichen Lehre Segnungen von Homo-Paaren durchführten oder zumindest unterstützten. Obwohl Priester, schreckte Rothe nicht davor zurück, andere Priester bei einem deutschen Gericht zur Anzeige zu bringen, wie jüngst geschehen gegen den polnischen Priester, habilitierten Theologen und Universitätsdozenten Dariusz Oko sowie gegen den Schriftleiter der Zeitschrift Theologisches, Prof. Dr. Johannes Stöhr, ebenfalls Priester. Gegen die Genannten erwirkte Rothe einen Strafbefehl wegen angeblich homophober „Volksverhetzung“. Das Verfahren ist anhängig.

Rothe bedient sich dabei jener umstrittenen Instrumente, die eine fehlgeleitete, linksdominierte Legislative in den vergangenen Jahren in die Gesetzgebung einführte, um die Homosexualisierung zu fördern und Kritik an ihr und der Homo-Lobby zu unterdrücken. Die Einführung des Delikts „Volksverhetzung“ steht per definitionem für den Willen, die Meinungsfreiheit einzuschränken, was von Jahr zu Jahr zu immer mehr Themenfeldern geschieht. Genau diese Absicht verfolgt auch Rothe, der mit seiner Anzeige wissentlich die kirchliche Lehre angreift.

Nach der Lehre der katholischen Kirche verstoßen homosexuelle Handlungen gegen das natürliche Sittengesetz (KKK 2357). Sie werden als moralisch verwerflich und schwer sündhaft beurteilt. Diese vom Katechismus der Katholischen Kirche gelehrte Auffassung widerspricht nicht der Meinungsfreiheit. Damit ist im Prinzip auch scharfe, sich den Stilmitteln der Polemik bedienende Kritik gegenüber Personengruppen legitim, sofern sie einen homosexuellen Lebensstil propagieren. Das gilt umso mehr, wenn diese Menschen zur katholischen Kirche gehören oder sogar selbst katholische Priester sind. Wer sich die Lehre der Kirche zu eigen macht, muß zum Urteil gelangen: Priester, die homosexuelle Handlungen ausführen, befürworten oder andere darin fördern, fügen dem Organismus der Kirche schweren Schaden zu. Das gilt erst recht, wenn sie informelle Netzwerke bilden, die den Zweck haben, ihr Doppelleben zu schützen, Schlüsselpositionen zu besetzen, kriminelle Machenschaften zu vertuschen oder gar die kirchliche Lehre untergraben und stürzen zu wollen. 

Rothe argumentiert heute für die Homosexualität und gegen die Kirche mit demselben Vokabular, das Homo-Lobby und kirchenferne Kreise gebrauchen.

In dem von Rothe inkriminierten Oko-Artikel (Theologisches, Januar/Februar 2021), werden Priester, die von der Kirche leben und in ihr bisweilen Karriere machen, wie der inzwischen legendäre Kardinal Theodore McCarrick, mit Metaphern wie „Krebsgeschwür“, „Krebsmetastase“ oder „Parasiten“ beschrieben. Das klingt drastisch. Wer als Priester die Moral der Kirche, zu der er sich freiwillig verpflichtet hat, durch unverfrorenes Verhalten Lügen straft und der Gemeinschaft der Gläubigen beispiellosen Schaden zufügt, der muß allerdings mit drastischer Kritik rechnen, die aus kirchlicher Sicht, und die sollte für einen Priester allein maßgeblich sein, gar nicht so drastisch ist: Schließlich zählt Homosexualität nach katholischer Lehre zu den „himmelschreienden Sünden“, das sind jene Sünden, die so schwerwiegend sind, daß sie zum Himmel, also zu Gott, nach Rache schreien. 

Prof. Okos Kritik an der „Homo-Häresie“ in der Kirche

Das hört man heute natürlich nicht mehr gerne, schon gar nicht in einem weltlichen Kontext, in dem alles erlaubt scheint, besonders das, was die Kirche verbietet. Niemand muß der Wortwahl Okos beipflichten, doch jeder Katholik muß der kirchlichen Lehre zur Homosexualität beipflichten, die Oko in zahlreichen Schriften auf verdienstvolle Weise verteidigt. Oko benannte als erster die Aktivitäten subversiver Homo-Kreise in der Kirche als „Homo-Häresie“. Eine bahnbrechende Formulierung. Aus Okos Studien zur Homosexualität in der Kirche, besonders im Klerus, erklärt sich die Feindschaft, die ihm von Homo-Seilschaften und homophilen Kreisen entgegenschlägt, oft aus dem Hinterhalt, da sich diese nicht selten tarnen, um ein Doppelleben führen zu können.

Okos Kritik in Theologisches zielte allerdings nicht gegen Homosexuelle, sondern gegen eklatante Mißstände in der Kirche, wie der Herausgeber der Zeitschrift den Beitrag des polnischen Theologen nun gegen einen Strafbescheid des Amtsgerichts Köln verteidigte. Zu den von Oko angeprangerten Mißständen zählen: 

  • unmoralisches Verhalten, 
  • verlogene Doppelmoral 
  • sowie verwerflicher Protektionismus 
  • und Karrierismus katholischer Priester.

Der katholische Sprecher der Christen in der AfD-Nord, Adam Golkontt, erklärte: 

„Der Strafbefehl gegen Prof. Dr. Dr. Dariusz Oko ist ein Angriff auf unsere Grundrechte. Das Urteil greift die grundgesetzlich garantierte Wissenschafts‑, Bekenntnis‑, und Meinungsfreiheit an. Ich rufe alle zur Solidarität mit Prof. Oko auf, indem Sie die Petition zu seiner Verteidigung unterschreiben und seine Ausarbeitung lesen. Denn der Angriff eines Gerichts auf die Grundrechte betrifft alle deutschen Staatsbürger unabhängig ihrer Weltanschauung.“

Entsetzt reagierte auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der in einem Interview mit dem polnischen Medium Do Rzeczy sagte: 

„Als Deutscher schäme ich mich, daß es in meiner Heimat wieder möglich ist, einen polnischen Wissenschaftler wegen Volksverhetzung zu verurteilen, nur weil er die Fakten benannt hat.“

Ein katholischer Theologe warf im Zusammenhang mit der Verurteilung Okos Fragen zum Fall Rothe auf, der Oko angezeigt hatte:

„Am Ende wird man die Frage stellen müssen, ob der Priester und Homo-Aktivist Wolfgang F. Rothe, der vor Jahren selbst in einen Sex-Skandal im Priesterseminar St. Pölten verwickelt war und daraufhin von Rom gemaßregelt wurde, womöglich zugespitzte Kritik an seinem Doppelleben nicht erträgt?
Warum verbreitet er wider besseres Wissen hartnäckig die verleumderische Behauptung, Prof. Oko hätte homosexuelle Personen als solche herabgewürdigt, wo doch leicht zu ersehen ist, daß das nicht in dessen Absicht lag?“

Konservative Kreise für Eigeninteressen mißbraucht

Die Anzeige gegen den Priester Oko durch den Priester Rothe, ausgerechnet nach dem „Volksverhetzungsparagraphen“, der ein Instrument zur Meinungsknebelung ist, wirft tatsächlich Fragen auf und scheint die Hauptthese Okos exemplarisch zu stützen. Oko gelangte aufgrund seiner Studien zum Schluß, daß es in der Kirche homosexuelle Seilschaften gibt, die sich gegenseitig decken und ein homosexuelles Milieu erzeugen, in dem junge Seminaristen und andere junge Männer sexuell korrumpiert und Minderjährige schwerst geschädigt werden. Dazu gehört die von der kirchlichen Obrigkeit in München und Rom verschwiegene Tatsache, daß es sich beim unsäglichen sexuellen Mißbrauchsskandal von Klerikern an Minderjährigen zu mindestens 80 Prozent um homosexuelle Täter und homosexuellen Mißbrauch handelt.

Apropos München: Kurz nachdem Kardinal Reinhard Marx Erzbischof von München und Freising geworden war, nahm er 2008 Rothe in seinem Erzbistum auf. Jenen Rothe, der vier Jahre zuvor als Subregens im Mittelpunkt eines Skandals um die Existenz einer Homo-Seilschaft am Priesterseminar von St. Pölten gestanden hatte. Dieser Skandal war von progressiven Kirchenkreisen, die sich mit linksliberalen weltlichen Medien verbündet hatten, ausgenützt worden, um eine der herausragenden Bischofsgestalten des deutschen Sprachraums, Bischof Kurt Krenn, zu stürzen, was auch erfolgreich gelang.

Rothe, promovierter Kirchenrechtler – sein Doktorvater an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom war 2002 der heutige Kurienerzbischof und Privatsekretär von Benedikt XVI., Msgr. Georg Gänswein, was in konservativen Teilen der Kirche viele Türen öffnet –, leugnete hartnäckig die gegen ihn erhobenen Homo-Vorwürfe. Konservative Kirchenkreise, die sich schützend vor Bischof Krenn stellen wollten, machten sich – offensichtlich gutgläubig wie Krenn selbst, wie sich nun zeigen sollte –, auch zu Verteidigern Rothes, der diese Verteidigung gerne in Anspruch nahm.

Mehr noch: Der Jurist Rothe wurde nach einigen Jahren des Abtauchens, nachdem er im Erzbistum München-Freising inkardiniert worden war, zum Berater des konservativen Netzwerks katholischer Priester in der Bundesrepublik Deutschland und genau in diesem Zusammenhang drängen sich heute weitere Fragen auf. Es scheint maßgeblich auf Rothes Einfluß zurückzugehen, daß sich das Priesternetzwerk vehement gegen den Beschluß der Deutschen Bischofskonferenz von Juni 2011 wehrte, dem bekannten Kriminologen Christian Pfeiffer und seinen Mitarbeitern am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (pensionierte Staatsanwälte und Richter) Einsicht in die Personalakten der Priester der vergangenen zehn Jahre zu gewähren, in manchen Bistümern sogar bis 1945, um sie auf Hinweise zu sexuellen Übergriffen zu durchsuchen. Im Januar 2013 kündigten die Bischöfe den Auftrag überraschend und nannten dabei als Gründe unter anderem die Vorbehalte des Priesternetzwerks.

Welches Interesse hatte Rothe daran, daß die Personalakten nicht eingesehen werden konnten? Wie stark sind die Homo-Seilschaften in der Kirche in Deutschland? In welchem Zusammenhang damit steht Rothes Karriere seit 2008?

Auch in diesem Fall wiederholten sich bereits bekannte Elemente, die ein Muster zu sein scheinen: Rothe spannte für seine Sache unverdächtige konservative Kreise ein. Im Klartext lautet die Frage: Hat Rothe das Priesternetzwerk mißbraucht, um Homo-Seilschaften im Klerus zu schützen?

Rothes Spur der Verwüstungen

Rothe, der zunächst im Erzbistum München als Krankenhausseelsorger wenig Kontakt mit Gläubigen hatte, verlagerte sich im zurückliegenden Jahrzehnt auf das eher schräge Thema einer „Spiritualität“ des Whiskys, was ihm den Spitznamen „Whisky-Vikar“ einbrachte. In München, wo er seit 2012 wieder in der Pfarrseelsorge tätig ist, wurde aus dem stramm konservativen Krenn-Adlatus, der jede Homo-Verstrickung entschieden bestritt, ein bekennender Homo-Aktivist. Der Weg vom Paulus zum Saulus, wobei Rothe wahrscheinlich immer ein Saulus war, der sich eine Zeitlang lediglich als Paulus getarnt hatte.

Wo immer Rothe auftauchte, hinterließ er in konservativen Kreisen eine Spur der Verwüstung. Selbst in die Tradition streckte er kurzzeitig seine Fühler aus und ließ sich von einem Priester der Piusbruderschaft in der Zelebration des überlieferten Ritus ausbilden, zog sich dann aber wieder zurück. Manche konservative Kreise hingegen ließen sich von ihm vereinnahmen und schenkten ihm ein Vertrauen, das sie bitter bezahlen mußten.

  • Bischof Kurt Krenn, der Rothes Karriere gefördert, ihm den Weg zum Doktoratsstudium ermöglicht, eine Dozentur an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten verschafft und ihn zum Subregens am dortigen Priesterseminar ernannt sowie in den letzten Monaten seines Episkopats zu seinem Sekretär und Rechtsberater bestellt hatte, geriet wegen pädophiler und homosexueller Skandale am Priesterseminar, in deren Zentrum u. a. Rothe stand, dermaßen unter öffentlichen Beschuß, daß er von Rom als Diözesanbischof emeritiert wurde. Am 29. September 2004 trat Msgr. Krenn auf Aufforderung von Papst Johannes Paul II. zurück.
  • In der Folge begannen konservative Publizisten wie Felizitas Küble und die Zeitschrift Der 13. eine verbissene Verteidigung Rothes, wenngleich diese primär Bischof Krenn galt. Sie lehnten sich damit weit aus dem Fenster, zu weit, wie Rothes Homo-Aktivismus nun zeigt.
  • Das konservative Netzwerk katholischer Priester vertraute Rothe und stellte sich unverständlicherweise gegen eine konsequente Aufarbeitung des sexuellen Mißbrauchsskandals. Das Priesternetzwerk existiert heute faktisch nicht mehr. Es wurde dezimiert und führende Vertreter Repressionen ausgesetzt, während Rothe seine Karriere, nun unter dem Schutz von Kardinal Marx, fortsetzte.
  • Und noch eine brisante Frage stellt sich angesichts der neuen Umstände rund um Rothe. Von 2004 bis 2012 war die umstrittene und sehr angefeindete Seite Kreuz.net aktiv. Die Seite ging wenige Wochen nach dem Rücktritt von Bischof Krenn, der Rothes Karriere – zumindest vorläufig – ein Ende gesetzt hatte, ins Netz. Mit der Einstellung von Kreuz.net, Ende 2012, begannen Rothes bislang jüngste Mutationen zum Whisky- und Homo-Aktivisten. Seine Beobachtungszeit im Erzbistum München endete damals und öffnete ihm im Herbst 2012 den Weg in die Pfarrseelsorge.
    Die acht turbulenten Jahre, in denen Kreuz.net existierte, fügten glaubenstreuen konservativen Kirchenkreisen schweren Schaden zu. Die Deutsche und die Österreichische Bischofskonferenz distanzierten sich bereits im Herbst 2004 von der Seite, die alle Vorurteile zu bestätigen schien, die von wenig wohlgesonnenen liberalen Kreisen gegen die kirchliche Orthodoxie und ihre Vertreter gehegt werden.
    Die Radikalität, mit der vor allem gegen die Homosexualität und Homosexuelle polemisiert wurde, nützte homophilen Kirchenkreisen, da mit dem Finger auf die angeblich so homophoben Konservativen in der Kirche gezeigt werden konnte, mit deren Haltung die Bischöfe allein schon wegen des Mainstream nichts zu tun haben wollten.
    Noch schwerwiegender: Wegen des Mangels an katholischen Medien scharten sich um Kreuz.net verschiedene konservative Autoren, Priester und Laien, die darin eine Publikationsplattform sahen, in Wirklichkeit aber damit sich und ihre Anliegen verbrannten.
    Die Jagd nach den Machern von Kreuz.net, befeuert von weltlichen Medien, wurde zur Jagd auf herausragende konservative Priester im ganzen deutschen Sprachraum, die auch publizistisch aktiv waren. Obwohl diese teilweise in keinem Zusammenhang mit der Seite standen, andere nur Beiträge dort veröffentlicht hatten, wurden sie von ihren Bischöfen gemaßregelt und in ihren Aktivitäten eingebremst.
    Frühzeitig kam der Verdacht auf, daß der tatsächliche Macher selbst homosexuell sein könnte und es sich bei Kreuz.net um eine – psychologisch wie auch immer deutbare – Operation unter falscher Flagge handelte. Wer die Entwicklung und vor allem den Kampf gegen Kreuz.net noch in Erinnerung hat, weiß, welchen Schaden die Seite konservativen Einrichtungen, Persönlichkeiten und ihrem Anliegen zugefügt hat.

Damit schließt sich der Kreis zu Rothe und seiner Spur der Verwüstung in konservativen Kreisen. Zu seinen jüngsten Opfern gehören Prof. Oko, Prof. Stöhr und die Zeitschrift Theologisches.

[Update 14.08.2021: Prof. Johannes Stöhr ist auch Priester und nicht Laie, wie zunächst angegeben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.]

Text: Ein anonymer Theologe/Giuseppe Nardi
Bild: NBQ
19.8.21 aus Internetseite: https://katholisches.info
HIER ALS PDF-DOKUMENT

9.8.2021

Kardinal Gerhard F. Müller im Gespräch mit Paweł Lisicki „Do Rzeczy“

Warschau, 9.08.2021

Auf Polnisch: Wstydzę się za to, co spotkało ks. Oko, z kardynałem Gerhardem L. Müllerem rozmawia Paweł Lisicki, „Do Rzeczy” 9-15.08.2021 (32) 437, s. 52-53.

Kurz-Info:

  1. Eminenz, nach einem Artikel in der Zeitschrift „Theologisches“ wurde vom Amtsgericht Köln ein Strafbefehl wegen Volksverhetzung gegen den polnischen Priester, Theologen und Publizisten Dariusz Oko erlassen. Gegen Oko ist ein Strafbefehl über 4.800 Euro erlassen worden. Er ist nicht der einzige Verurteilte. Am gleichen Tag, 27. Juli 2021, verhängte das Gericht neben Oko als Verfasser auch gegen Johannes Stöhr einen Strafbefehl wegen Volksverhetzung. Das könnte heiße 70 Tage im Gefängnis für der 90 jährigen Priester. Erstens konnte man daran in Polen nicht glauben, es ist doch ein Attentat auf die Meinungsfreiheit und ein klares Beispiel der ideologischen Zensur. Was halten Sie, Herr Kardinal, von dieser Entscheidung?

Als Deutscher schäme ich mich, dass es in meiner Heimat wieder möglich ist, dass ein polnischer Wissenschaftler aufgrund eines Tatsachenberichtes wegen sogenannter Volksverhetzung verurteilt werden konnte. Im Angesicht eines polnischen Gelehrten aus Krakau müssten sofort die Alarmglocken läuten bei historisch Gebildeten, die sich mit Schrecken an  einen Juristen erinnern,  der als sog. „Generalgouverneur“ die ganze Professorenschaft dort  ins KZ gebracht hat. Der Aufsatz von Prof. Oko ist eine wissenschaftliche Dokumentation über schwere Straftaten an männlichen Jugendlichen und jungen Männern, die sich hochrangige Kleriker bis zu dem Ex- Kardinal McCarrick haben zu Schulden kommen lassen. Entweder haben diese Richter den Aufsatz nicht gelesen oder sie sind unfähig,  ihn  mit wissenschaftlichen Kriterien zu beurteilen oder ihnen ist der verbrecherische Charakter von Personen nicht klar, die von der Kirche leben, aber hinter dem Schutz ihres Amtes zahlreiche junge Menschen zugrunde richten. Diese Straftaten mit scharfen Worten zu verurteilen ist keine Hetze und Aufwiegelung des Volkes, sondern eine mutige Tat, die die Achtung aller anständig gebliebenen Zeitgenossen verdient. Die in dem Aufsatz genannten Verbrechen dürfen nicht unter dem Vorwand verharmlost werden, dass die Täter aktive Homosexuelle waren, die sich diffamiert fühlen dürfen, nur weil ihnen die Wahrheit ins Gesicht gesagt wird. Abertausende unschuldige Priester müssen sich in Deutschland täglich als Kinderschänder beleidigen lassen, ohne dass ein Gericht einschreitet  oder ein Presseorgan dagegen Einspruch erhebt. Sind wir wieder so weit gekommen, dass die Schuldigen beschützt und die Unschuldigen bestraft werden? Denn die Hetze gegen den katholischen Klerus und der Aufruf zur Gewalt gegen diese Personengruppe  lässt man als  angebliche Meinungsfreiheit durchgehen.

  1. Einige deutschen Journalisten, zum Beispiel in der “Sueddeutsche Zeitung”, unterstützen diese Entscheidung. Sie glauben dass auf diese Weise das Gericht schütze die Gesellschaft vor dem Hass. Wie ist Ihre Meinung dazu, Eminenz? Warum die deutsche Öffentlichkeit scheint so passiv zu sein? Warum gibt es keine Zeichen des Widerstandes?

Natürlich freuen sich sogenannte „deutsche“ Journalisten, wenn es gegen die Polen geht. Anstatt sich bei  den Polen und Ungarn für den Sturz des totalitären Sowjetkommunismus zu bedanken, schikanieren europäische Politiker und Juristen diese Menschen, die so viel Leid wegen ihrer Freiheitsliebe erdulden mussten wegen angeblicher Bedrohung europäischer Werte, die man aber den schlimmsten Diktatoren durchgehen lässt, mit denen man Geschäfte machen kann.

Sonst halten  diese Meinungsführer nicht so viel vom Christentum, aber zum Glück sind sie gegen die schwere Sünde des Hasses. Nur unterstellen sie anderen in einer absurden Weise einen Hass gegen die gar nicht existierende Gruppe von Homosexuellen, die nur ihren eigenen Hass gegen das katholische Polen offenbart. Diese moralisch Überlegenen sollten sich mal mit der Geschichte der vier polnischen Teilungen und dem Hass der Preußen und der Nationalsozialisten gegen die Polen beschäftigen, bevor sie als Oberlehrer gegen ihre slawischen Nachbarn auftreten.

  1. In dem Artikel bezeichnete der Professor Oko homosexuelle Geistliche unter anderem als „eine Kolonie von Parasiten“, „Krebsgeschwür“ und „homosexuelle Plage“. Er sprach über „Homo-Ideologie“ und „Homo-Häresie“. In seinem Text schrieb Vater Oko auch, dass es notwendig sei, in der Kirche „ein ganzes System zum Schutz ‚wehrloser Erwachsener‘ zu schaffen, die zum Opfer von homosexuellen Raubtieren in Soutane oder Kutten geworden sind oder werden könnten“. Ist diese Sprache nicht zu scharf? Das ist der wichtigste Vorwurf gegen ihn. Oder muss man doch klar das Böse zu verurteilen?

Ein Gericht kann nicht gegen die wissenschaftliche Analyse von schlimmsten Verbrechen und schwersten Sünden eine verschleiernde und verharmlosende Sprache einfordern. Wenn kirchliche Obere junge Menschen verderben, dann hat das die Sprache Jesu verdient, der den Verderbern der Jugend die Hölle androht, wenn sie sich nicht bekehren. Weltliche Gerichte sind dazu da, die Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen und nicht diejenigen, welche die Untaten beim Namen nennen.

  1. Nach der Veröffentlichung des Artikels hatte der Münchner Priester Wolfgang F. Rothe, der sich für die Rechte Homosexueller in der Kirche engagiert, die Priester Oko und Stöhr  bei der Staatsanwaltschaft Köln wegen Volksverhetzung angezeigt. Das ist doch ganz schockierend für die polnischen Leser. Ist doch die Homo-Häresie so stark in Deutschland?

Jeder der seine Geschichte in St. Pölten kennt, weiß, was die Parole besagt: Haltet den Dieb. Wie ausgebildete Juristen sich  für einen solchen Unfug instrumentalisieren lassen können, bleibt jedem vernünftigen Menschen ein Rätsel. In dem genannten Aufsatz wird gegen niemanden gehetzt oder sogar das Volk zur Gewalt aufgerufen gegen Unbeteiligte oder Unschuldige, sondern im Gegenteil zum Schutz von unschuldigen jungen Männern vor solchen Vorgesetzten, die gezielt und organisiert ihren Vertrauensvorschuss missbrauchen, um ihre verkehrten Neigungen egoistisch zu befriedigen. Wer unter dem Vorwand des Rechtsschutzes von Minderheiten, Verbrechen verharmlost, die sich individuelle Straftäter zuschulden kommen lassen, ist wesentlich schlimmer als die vor Gericht gezerrten Aufklärer dieser Untaten.

  1. Darf man in Deutschland noch die Homosexuellen kritisieren? Oder haben wir mit einem Schwulenkult zu tun?

Solange in Deutschland das Menschenrecht auf Religions- und Gewissensfreiheit noch anerkannt wird, werden wir als Christen  straffrei die Menschenwürde auch der homoerotisch Empfindenden verteidigen und zugleich die Gebote Gottes furchtlos verkünden, dass  das Lebensrecht unter allen Umständen gerade auch einem Menschen im embryonalen Zustand zu steht, das aktive Sterbehilfe eine Todsünde ist und dass die Ehe aus Mann und Frau besteht und dass die sexuelle Vereinigung nur in einer legitimen Ehe alleine ihren Ort hat. Aber auch wenn wir Katholiken wieder wie einst im Kulturkampf unter Bismarck oder dem Kirchenkampf im Dritten Reich verfolgt werden oder unter den Anschein des Rechts mit Geld  – und Gefängnisstrafen belegt werden sollten, bleibt die Wahrheit doch die Wahrheit. Kein Parlament oder kein Gerichtshof kann das Unrecht zum Recht erklären oder den Machtwillen über das in der Vernunft erkannte natürliche Sittengesetz stellen.

  1. In wie weit hat die sexuelle Revolution die Kirche und Gesellschaft im Westen, besonders in Deutschland verändert?

Es geht um die Alternative eines nihilistischen oder eines auf Gott bezogenen Menschenbildes. Die Ehe ist nach katholischem Glauben  von höchstem moralischem und spirituellem Wert. So zu tun, als ob der Sinn des Lebens nur in Geld und Macht oder im „Sex“ besteht, zu dem die menschliche Geschlechtskraft ohne personale Liebe herabgewürdigt wird, ist der Widerspruch zu dem christlichen Menschenbild, das die Kultur Europas geprägt hat. Ohne das Christentum wird ein Europa keine Zukunft haben, das man nur auf die ökonomische Macht und den Konsum von zweitrangigen Gütern aufbauen will.

  1. Was soll jetzt geschehen? Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig und der Anwalt des Angeklagten hat bereits Einspruch eingelegt. Aber wie sollen sich die Katholiken benehmen? Glauben Sie, Eminenz, dass auch die deutschen Bischöfe Stellung nehmen?

Auf die deutschen Bischöfe kann man lange warten. Man sollte die Arbeiten von Prof. Oko aber schnell ins Deutsche übersetzen. Denn, wenn auch nur wenige Deutsche polnisch lesen können, gibt es doch noch Millionen anständiger deutscher Bürger aller christlichen Konfessionen und auch von Nichtchristen, die ihre Knie nicht vor dem Baal, dem Götzen des perversen Denkens, gebeugt haben, die noch eine moralische Urteilskraft besitzen und die sich für dieses schwere Unrecht schämen, das man einem polnischen Gelehrten zugefügt hat.

4.8.2021

Umstrittener Artikel: Schlagabtausch zwischen Wolfgang Rothe und Manfred Hauke

Manfred Hauke, Herausgeber der Zeitschrift «Theologisches», kritisiert den Priester Wolfgang Rothe. Dieser hat gegen den Autor eines Beitrags über «homosexuelle Cliquen in der Kirche» Strafanzeige eingereicht. Rothe fühlt sich durch Aussagen von Hauke «diffamiert».

Der umstrittene Artikel trägt den Titel «Über die Notwendigkeit homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen». Erschienen ist er in zwei Teilen in den Ausgaben Januar/Februar und März/April 2021 in der Zeitschrift «Theologisches». Manfred Hauke, Dogmatikprofessor in Lugano, ist Herausgeber der Zeitschrift.

In dem Text werden homosexuelle Personen unter anderem als «rücksichtslose Parasiten», «Plage» und «Krebsgeschwür, das sogar bereit ist, seinen Wirt zu töten» bezeichnet. Der Münchner Priester Wolfgang Rothe hat daran Anstoss genommen. Er hat sowohl gegen den Chefredaktor der Zeitschrift, Johannes Stöhr, als auch gegen den Autor des Artikels, Dariusz Oko, beim Amtsgericht Köln Strafanzeige eingereicht.

Hass und Diffamation

 Bistum Regensburg Manfred Hauke ist Dogmatik-Professor in Lugano.

Hauke verteidigt nun in einem Interview auf dem reaktionären Portal kath.net (4. August) den Artikel und kritisiert Rothe. Dieser habe einzelne Ausdrücke aus dem Zusammenhang gerissen, «um sie als pauschale Verunglimpfung von Homosexuellen darzustellen». Damit habe er gegen Stöhr und Oko, aber auch gegen «Theologisches» und den Herausgeber, «Hass gesät und Diffamation betrieben».

Der Kölner Staatsanwalt sei «anscheinend auf diese Methode hereingefallen», schreibt Hauke: «Ein wissenschaftlicher Aufsatz, der für die Kirche die Schwere der gegenwärtigen Korruption im Klerus belegen will und zu Gegenmassnahmen aufruft, wird als ‘Hassrede’ missdeutet.»

Für Freiheit der Meinung

Hauke kündigt an, Herausgeber, Redaktor und Autoren der Zeitschrift müssten «noch genauer als bisher die Aufsätze in allen Formulierungen bedenken». Man rechne mit «interessengeleiteten Missverständnissen» und mit bewusst aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen.

Dies solle jedoch nicht auf Kosten der Wahrheit gehen, versichert der Professor und fügt kämpferisch hinzu: «Wir werden die Freiheit des Glaubens, der Meinung und der Wissenschaft gegen Übergriffe verteidigen. Wir wollen nicht vor dem degenerierten Zeitgeist auf die Knie fallen. Nur tote Fische schwimmen stets mit dem Strom.»

Den Spiess umgedreht

Wolfgang Rothe reagiert seinerseits auf das Interview auf kath.net. Es sei sehr bedauerlich, dass Hauke nicht bereit sei, sich seiner Verantwortung zu stellen, schreibt der Priester in einer Mitteilung zuhanden von kath.ch. «Stattdessen attackiert und diffamiert er den, der nach Auffassung der Kölner Staatsanwaltschaft und des Kölner Amtsgerichts vollkommen korrekt gehandelt hat, indem er die Sache zur Anzeige gebracht hat.» Er finde es «beschämend», dass Hauke nun versuche, «den Spiess umzudrehen und sich in die Opferrolle zu flüchten», indem er behaupte, Rothe habe durch seine Anzeige Hass gesät und Diffamierung betrieben. (bal)

Quelle: https://www.kath.ch/newsd/umstrittener-artikel-schlagabtausch-zwischen-wolfgang-rothe-und-manfred-hauke/

27.7.2021

Hochwürdiger Priester Dariusz Oko, verehrter Herr Professor!

Mit großer Trauer und Schmerz haben wir heute die Nachricht erhalten, dass ein deutscher Priester, Pater Wolfgang Rothe, Sie bei den deutschen Strafverfolgungsbehörden angezeigt hat. Aus welchem Grund? Weil Sie die Wahrheit über das Wesen des Menschen gesagt haben! Die Denunziation eines Priesters, der das christliche Menschenbild vertritt, durch einen Priester, der die LGBT-Ideologie unterstützt, ist ein echter Skandal! Ebenso das Urteil des Kölner Gerichts, das bereits eine Geldstrafe oder 120 Tage Haft verhängt hat für Sie und für Prof. Johanes Stöhr, ebenfalls Priester und Chefredakteur von „Theologisches“, wo Ihr Artikel veröffentlicht wurde. Das Gericht belässt es nicht dabei, sondern will in Ermangelung einer finanziellen Entschädigung eine Haftstrafe von bis zu 5 Jahren verhängen.

Diese Art der Verklagung von Priestern wegen der Wahrheit ist nichts Neues in der Geschichte der Kirche. Viele Männer Gottes haben für die Wahrheit Zeugnis abgelegt, auch um den Preis des Leidens und um den Preis ihres eigenen Lebens. Johannes der Täufer, der heilige Bischof Stanislaus, der heilige Thomas Morus und viele andere Helden, die die Wahrheit über den Menschen, über Ehe und Familie und über die Schönheit des Lebens in der Gnade Gottes  verteidigt haben. Dass ein katholischer Priester, der eine antichristliche Ideologie vertritt, hinter einer solchen Strafverfolgung steht, ist jedoch definitiv etwas Neues und ein Ärgernis für die ganze Kirche. Dieses Verhalten von Wolfgang Rothe verstößt gegen alle Grundsätze des Evangeliums. Das Vorgehen des Kölner Gerichts stellt eine Bedrohung für die Meinungsfreiheit in Europa dar.

Angesichts dieser schmerzlichen Ereignisse möchten wir Ihnen unsere Unterstützung und unseren Dank für Ihren christlichen Mut zum Ausdruck bringen. Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an Ihre Vorträge für unsere Priester in der Ukraine. Wir vertrauen Ihre Person der mütterlichen Sorge der Mutter Gottes an. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass derartige Handlungen nicht nur politische Entgleisungen darstellen, sondern auch eine spirituelle Dimension haben, und so führen wir einen spirituellen Kampf.

Der heilige Stanislaus, Verteidiger der Wahrheit und Schutzpatron der Krakauer Kirche, in der Sie dienen, möge in dieser schweren Zeit Ihr Patron sein.

Bitte nehmen Sie unsere tiefste Dankbarkeit und Wertschätzung an.

Kiew, den 27. Juli 2021
Mit freundlichen Grüßen

Bischof Radosław Zmitrowicz, OMI, Präsident der Kommission für Familienfragen
Pater Waldemar Pawelec, SAC, Landesfamilienseelsorger.
Mitglieder der Kommission für die Familie bei der CEUDankbare Pastoren und Familien,
die die Gelegenheit hatten, die Vorträge von Prof. Dariusz Oko zu hören

Theologisches Jahrg. 51 Nr. 1/2 – Jan/Febr. 21 S. 47-76 (als Beweis)

Eine Meinung zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein Element „der Stellungnahme, des Dafürhaltens, des Meinens im Rahmen einer geistigen Auseinandersetzung“ aufweist.

Ob die Äußerung
begründet oder
grundlos,
emotional oder
– rational ist, als
wertvoll oder
wertlos,
gefährlich oder
harmlos eingeschätzt wird,
ist unerheblich.

Ebenso wenig kommt es darauf an, ob mit der Meinungsäußerung öffentliche oder private Zwecke verfolgt werden.
Die Meinung kann sogar beleidigend, wie sich aus einem Rückschluss aus der Schranke „Recht der persönlichen Ehre“ in Art. 5 Abs. 2 GG ergibt, oder scharfe Polemik sein. Der Begriff der Meinung ist daher grundsätzlich weit auszulegen.
(Quelle: https://www.juracademy.de/grundrechte/meinungsfreiheit-schutzbereich.html 15.8.2021)

Das Unvergleichliche, hier wird’s Ereignis

Reflexion über die moralisch erzwungene Verdummung
Von Egon Flaig

Woher wissen wir, daß ein Taschentuch kein Aschenbecher ist? Weil wir unterscheiden.
Und zum Unterscheiden müssen wir negieren: »Taschentüchlein, du bist kein Aschenbecher!« Ohne das Negieren blubberte alles, was existiert, in ödem Brei grauer Indifferenz, bestimmungsloser Identität: Das Taschentuch wäre ein Tischbein wäre ein Federmäppchen wäre eine Tastatur wäre eine Zigarette wäre . . . Offensichtlich gelingt das Bestimmen überhaupt erst vermittelst eines ständigen Negierens – »omnis determinatio est negatio«; und nur darum gerät das Denken. Indes, wie könnte man negieren, wenn man nicht vergliche?

Vielleicht gibt es ein Absolutes, welches sich dem Vergleichen entziehen will.
Ist es somit unvergleichlich?
Will man es denken, muß man es von allem anderen Seienden begrifflich absondern.
Dieses Absondern setzt voraus, daß man es unterschieden hat.
Man muß es also zuvor schon verglichen haben mit allem Vergleichlichen.
Wir kommen aus den Schranken des logischen Bestimmens nicht heraus:
Nicht einmal das Absolute ist unvergleichlich.

Viele Intellektuelle und Nichtintellektuelle beharren darauf, dieser Sachverhalt oder jenes Ereignis seien unvergleichlich. Was richten sie an mit dieser Behauptung? Logisch gesehen reden sie Unsinn. Aber wieso sehen sie sich genötigt, diesen Unsinn von sich zu geben?

Offensichtlich sind sie bemüht, bestimmten Sachverhalten einen Status zuzumessen, den nicht einmal das Absolute erreichen kann – sie kreieren Hyperabsolutes. Solcherlei geschieht, wenn es um Geltung und Tabuierung geht. Die Hohenpriester des Unvergleichlichen beabsichtigen, diesem Hyperabsoluten eine absolute Geltung zu verschaffen. Ob so etwas gelingt, hängt davon ab, wie wuchtig die moralische Einschüchterung wirkt. Martin Walser sprach nicht zu Unrecht von der Keule.

In der Tat, wer den Kopf aus dieser Grube selbstverschuldeter Unvernunft heraushebt, riskiert einen moralischen Kopfschuß. Daher die Furcht, den Kopf zu heben; diese Intelligenzbegrenzung ist nicht ohne Folgen geblieben. Wir haben uns angewöhnt – weitgehend –, den Unsinn stehen zu lassen und ihn für Sinn zu nehmen, als sei tatsächlich Sinn derjenige Unsinn, den man läßt. Es ist bequem – für die wissenschaftlichen Karrieren, für den publizistischen Erfolg und für die abgenickte Zustimmung im öffentlichen Diskurs.

Die Schwierigkeit, nein zu sagen, hat sich in eine neue Gestalt verpuppt, obwohl sie dieselben Aufgaben stellt wie eh und je: zu negieren und zu vergleichen, auch wenn das Bestimmen antiquiert, das Vergleichen verboten und das Denken – auf jenem Territorium, über welches das Hyperabsolute seine Jurisdiktion ausübt – zur asozialen Aktivität geworden ist.

Nichts ist unvergleichlich. Keine Supernova, kein Husten, keine galaktischen Katastrophen, nicht die Schoah, nicht mein Räuspern in dieser Sekunde, nicht der Schleim in meinem Halse. Notwendigerweise ist in der Welt der Erscheinungen alles »relativ«, nichts absolut. Nicht einmal in der intelligiblen Welt sind die Ideen selber absolut, denn sie stehen in Beziehung zu anderen Ideen; und diese Bezogenheit macht sie relational. Und die Relationalität unterwirft alles Existierende der Relativierung. Wer relativiert, leugnet nicht, sondern erfüllt seine wissenschaftliche Pflicht, das Existierende in Beziehungen zu setzen. Einen Vorgang oder eine Sache zu verabsolutieren, heißt sie von ihren Kontexten zu isolieren, aus ihrer relationalen Einbettung herauszureißen, heißt der Wissenschaft zu verbieten, sie als Gegenstände zu behandeln. So lassen sie sich sakralisieren und sogar vergotten. Dann kann man nur noch andächtig den Kopf senken und beten, anstatt die Augen zu öffnen und das Gehirn anzustrengen.

Unvergleichlichkeit zu postulieren – im öffentlichen Raum, wo das »logon didonai« der Griechen so lange gilt, bis wir in die finsterste Barbarei zurückgesunken sind –, heißt die intellektuelle Welt zu terrorisieren: Damit invadiert eine religiöse Sprache und eine religiöse Haltung die Welt des Wissens und des Prüfens und maßt sich an, in dieser Welt des Logos die Position des Richters einzunehmen. Wer mit diesem vorandröhnenden Postulat durch die wissenschaftliche Landschaft marschiert, treibt das Denken mit dem moralischen Granatwerfer zurück in jene selbstgegrabenen Gruben, aus denen die Vernunft sich immer wieder freikämpfen muß.

Welches Recht hatten die katholischen Bischöfe bei ihrem Israelbesuch, die Lage der Palästinenser in Ramallah mit dem Warschauer Ghetto zu vergleichen? Alles Recht der logischen und wissenschaftlichen Welt. Denn das Vergleichen führte genau dahin, wohin alles Vergleichen – methodisch sauber durchgeführt – gehen muß: Radikal different ist die Situation eines Ghettos, in dem Menschen konzentriert werden, um sie der Vernichtung entgegenzuleiten, von jener Situation einer Bevölkerung, die von ihren militanten Organisationen und von ihren arabischen Brüdern der Nachbarstaaten künstlich in einem Zustand gehalten wird, der sie prädestiniert zum hochaggressiven Potential gegen den jüdischen Staat und dessen Existenzrecht, einsetzbar und einsatzwillig, den Dschihad zu führen, bis die heilige islamische Erde gereinigt ist von diesem imperialistischen Eindringling.

Nie hat irgendeine israelische Regierung die Vernichtung der Palästinenser auch nur erwogen. Umgekehrt muß der jüdische Staat ständig leben mit den Vernichtungsdrohungen der islamischen, insbesondere der arabischen Welt und nicht zuletzt einiger derjenigen militanten Organisationen, welche in Ramallah das Sagen haben. Keiner der Bischöfe hat diesen Unterschied bezweifelt. Gerade das Vergleichen hat diesen heilsam ins Bewußtsein zurückgerufen.

Der terroristische Aufschrei gegen ihr Vergleichen sollte alarmieren. Denn dieses Denkverbot ist schlimmer als der terroristische Sturmlauf fanatisierter muslimischer Massen gegen die dänischen Karikaturen. Dieser kostete siebzig Menschen das Leben. Aber jenes umzäunt nicht bloß ein beträchtliches Gelände des 20. Jahrhunderts mit einem Tabu, es zur intellektuellen Sperrzone erklärend, in der die Hohenpriester des Hyperabsoluten warnungslos moralische Todesschüsse abgeben dürfen. Es entlegitimiert eine Grundoperation des begrifflichen Denkens und verfemt ihre nur dem Begriff verpflichtete Anwendung.

»Wer vergleicht, bestreitet das Einzigartige« – so lautet der Kernsatz des moralischen Terrors. Es gibt keinen dümmeren Satz. Wie wollen die Hohenpriester denn wissen, warum etwas Bestimmtes singulär ist? Rein logisch ist alles Existierende singulär, weil die Bedingungendes Existierens für zwei Dinge unmöglich dieselben sein können, ja weil diese Bedingungen sich für ein und dasselbe Ding bereits geändert haben, während ich diesen Satz schreibe.

Doch wenn ich wissen will, in welcher Hinsicht etwas singulär ist, dann komme ich nicht umhin zu vergleichen. Wer wird bestreiten, daß das Warschauer Ghetto »singulär« war? Aber jede einzelne Krankheit meines Großvaters war es ebenso. Sogar der Rotz in meinem Taschentuch ist singulär; denn in der Geschichte unseres Weltalls werden sich die chemische Zusammensetzung und die molekulare Konstellation dieser unappetitlichen Substanz nie mehr wiederholen.

Alles, was existiert hat und jemals existieren wird, ist singulär. Singularität ist kein Privileg, sondern die banalste Bestimmung überhaupt. Dumm ist der obige Satz eben aus diesem Grunde: weil er das belangloseste Prädikat zu einem Privileg erheben will.

Als Deborah Lipstadt erklärte, die »Einzigartigkeit« der Schoah zu leugnen, sei eine Weise, die Schoah selber zu leugnen, hat sie die religiöse Dimension des Tabuierens offen ausgesprochen:(1) Wenn das Signifikante an der Schoah ihre Singularität war, dann wäre die Schoah der banalste Vorgang überhaupt. Das meint sie anscheinend nicht. Was sie sagt, meint sie nicht; und was sie meint, kann sie nicht sagen. Das passiert, wenn man etwas behauptet, was nur behauptbar ist, sofern man die »zwingende Gewalt der Vernunft« einem gewalttätigen Zwang über die Vernunft unterwirft. Lipstadt zielt auf die radikale, alle Kontexte sprengende Unvergleichlichkeit; so wird aus der Schoah ein sakrales Geschehen, das höchstens der Offenbarung Gottes am Berg Horeb gleichkommt.(2) Das geht eben nur gegen die Logik und die Vernunft. Daher greifen alle, die ihr folgen oder beistehen, zum moralischen Terror.

Der moralische Terrorismus ist eine logische Konsequenz einer grundsätzlich skeptischen Einstellung zu den sozialen und politischen Vorgängen. Eben weil der Skeptiker der wissenschaftlichen Wahrheit und den Methoden des Bewahrheitens nicht traut, verfügt er über keine Mittel, das Sagbare vom Unsäglichen zu unterscheiden und verfemt die wissenschaftlichen Mittel, welche das sehr wohl vermögen. Dann freilich bleibt nichts anderes übrig, als mit moralischen Tabus das Für-wahr-zu-Nehmende zu erzwingen. Das wird nicht gutgehen.

Wer das wissenschaftliche Feld dergestalt zu einem Gelände vorsätzlich geführter semantischer Kämpfe zur Unterdrückung macht, hat den Weg des politischen Machtkampfes, letztlich des Terrors gewählt. Wer das tut, darf sich nicht wundern, daß andere Kulturen, die weit weniger Bedenken haben, das wissenschaftlich Wahre dem religiös Gewissen zu unterwerfen, mit brachialer Gewalt zurückschlagen und das Verabsolutierte höhnisch und herausfordernd leugnen. Das ist die unvermeidbare nietzscheanische Konsequenz: Wer die Historie als wissenschaftliche Praxis dem kulturellen Gedächtnis der eigenen Gruppe aufopfert, hat keinen gemeinsamen Boden mehr, auf welchem diskursiv mit rivalisierenden Interpretationen zu streiten wäre. Ohne gemeinsamen diskursiven Boden entscheidet die politische Macht darüber, was als wahr zu gelten hat. Und das heißt letztlich: Die Gewalt entscheidet.

Jener moralische Terror fordert unentwegt seine Opfer. Erinnern wir uns. Elie Wiesel hat stets bestritten, daß die Vernichtung der Armenier als Genozid gelten darf. Und 1984 behauptete Lucy Dawidowicz in Was the Holocaust Unique?, es handle sich bei den Armeniern schon deswegen nicht um einen Genozid, weil die Türken »a rational reason« hatten, die Armenier zu vernichten, wogegen »the Germans had no rational reason for killing the Jews«. Wer »rationale Gründe« bei der Vernichtung hat, begeht also keinen Völkermord. Der logische nächste Schritt besteht darin, die Schmerzen brennender Kinder als »nicht gleichwertig« zu qualifizieren, wenn es sich um Kinder eines angreifenden Staates handelt.

Erinnern wir uns. Nach Lévi-Strauss ist der Rassismus in allen Kulturen latent anwesend und folgt, obschon er tausenderlei verschiedene Gestalten anzunehmen vermag, in einer Hinsicht immer derselben Logik: dem anderen einen vergleichbaren Grad von Menschlichkeit abzusprechen. Vergleichbare Grade von Menschlichkeit stehen als Einsatz auf dem Spiele, das der moralische Terror gegen den vergleichenden Logos spielt.

Anmerkungen 1.
Mit Recht wehrt sich Deborah Lipstadt gegen die Zumutung, sich mit den Leugnern ernsthaft auseinandersetzen zu sollen. Indes, sie hat in ihrem Aufsatz Holocaust-Denial and the Compelling Force of Reason in Patterns of Prejudice (Nr. 1/2, 1992) erklärt, eine Haltung, die zur Leugnung der »Uniqueness« der Schoah führe, sei »far more insidious than outright denial. It nurtures and is nurtured by Holocaust-denial«. Da es um die Singularität nicht gehen kann, denn alles, was existiert, ist singulär, geht es darum, mit Hilfe der Kategorie »Einzigartigkeit« eine spezifische Singularität zu postulieren, die das methodische Vergleichen als Operation wissenschaftlicher Erkenntnis verbietet.
Das Vergleichen als Modus des Leugnens zu diffamieren, heißt eine Singularität zu beanspruchen, die als sakrale jenseits des methodischen Forschens menschlicher Vernunft steht.

Wohl niemand hat so konsequent wie Elie Wiesel die Schoah aus dem kontextuellen Verlauf der Geschichte herausgebrochen, um ihr den Status einer Antioffenbarung zuzusprechen.

Daher auch sein Beharren auf der Unerzählbarkeit: »But there is one tale that will never be told. And soon we will not even know its name. Nor its secret«, so Eli Wiesel in dem Aufsatz Art and Culture After the Holocaust. (In: Eva Fleischer (Hrsg.), Auschwitz. Beginning of a New Era? New York: KTAV 1977.) Doch diese Unerzählbarkeit von Erlittenem ist eine allgemeine Signatur traumatischer Erfahrungen – sei es von Kollektiven oder von Individuen, welche sich auf abertausendfache Weise in der menschlichen Geschichte zugetragen haben.
Quelle: Merkur, Nr. 701, Oktober 2007

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